Orthopädischer Bürostuhl
„Orthopädischer Bürostuhl“ ist kein geschützter Begriff und keine Produktkategorie mit festen Merkmalen. Er wird für zwei ganz unterschiedliche Dinge verwendet – und dieser Unterschied entscheidet, was Sie tatsächlich brauchen.
Zwei Bedeutungen, zwei Lösungswege
- Vorbeugend gemeint: ein hochwertiger ergonomischer Bürostuhl, der Bewegung zulässt und sich genau einstellen lässt. Hier ist „orthopädisch“ gleichbedeutend mit „ergonomisch“. Ziel ist, dass Rücken- und Bandscheibenbeschwerden gar nicht erst entstehen.
- Bei bestehender Diagnose: ein Stuhl, der eine konkrete körperliche Einschränkung ausgleicht – eine versteifte Hüfte, ein schmerzendes Steißbein, eine Skoliose, ein hohes Körpergewicht. Hier hilft der Begriff nicht weiter. Entscheidend ist die Mechanik, und die unterscheidet sich je nach Befund erheblich.
Deshalb fragen wir bei einer Beratung nie nach einem „orthopädischen Stuhl“, sondern danach, was beim Sitzen genau passiert. Die folgende Übersicht führt Sie direkt zur passenden Lösung.
Welches Problem soll der Stuhl lösen?
Ein Bein lässt sich nicht abwinkeln
Bei versteifter Hüfte, nach einer Hüft- oder Knieoperation, bei Coxarthrose oder mit einem eingegipsten Bein erzwingt eine durchgehende Sitzfläche genau die Beugung, die nicht möglich oder nicht erlaubt ist. Die Lösung ist eine geteilte Sitzfläche, deren Oberschenkelauflagen sich unabhängig voneinander absenken lassen.
Zu den Arthrodesenstühlen → – drei Modelle in drei Sitzhöhen, dazu eine freistehende Beinstütze für ein gestreckt zu lagerndes Bein.
Das Steißbein schmerzt beim Sitzen
Nach einem Sturz, nach einer Geburt oder bei langem Sitzen kann das Steißbein zum eigentlichen Problem werden. Hier hilft keine zusätzliche Polsterung, sondern eine Sitzfläche, die den Bereich freilässt, damit an dieser Stelle kein Druck entsteht.
Zum Stuhl mit Steißbeinentlastung →
Der Rücken schmerzt, die Ursache ist unklar
Der häufigste Fall – und der, bei dem am meisten falsch gekauft wird. Bevor ein neuer Stuhl in Frage kommt, sollte geklärt sein, ob Sitzhöhe, Tischhöhe und Bildschirmposition überhaupt zusammenpassen und ob der vorhandene Stuhl richtig eingestellt ist. Häufig liegt das Problem nicht am Stuhl.
Rückenschmerzen beim Sitzen → | Wie sitze ich richtig? →
Bandscheibenvorfall oder Bandscheibenvorbeugung
Hier geht es darum, statische Belastung zu vermeiden und die Wirbelsäule in Bewegung zu halten. Genau dafür ist dynamisches Sitzen gedacht: der gezielte, fortlaufende Wechsel zwischen aufrechtem Sitzen und Entlastung. Dieser Wechsel be- und entlastet die Bandscheiben abwechselnd und unterstützt damit ihre Versorgung – anders als eine starre Haltung, die dauerhaft in derselben Position drückt.
Zur Bandscheibenprävention → | Haider Bioswing →
Ein hohes Körpergewicht
Viele Bürostühle sind bis 110 oder 120 kg zugelassen. Wird dieser Wert überschritten, ist das keine Komfortfrage, sondern eine der Sicherheit und der Lebensdauer. Verstärkte Stühle haben andere Mechaniken, breitere Sitzflächen und stärkere Gasfedern.
Zu den Schwerlast-Bürostühlen →
Sehr klein oder sehr groß gewachsen
Ein Stuhl, der nicht zur Körpergröße passt, erzeugt Beschwerden, die anschließend für orthopädische Probleme gehalten werden. Bei unter etwa 160 oder über etwa 190 cm reicht der Verstellbereich normaler Modelle häufig nicht aus.
Stühle für kleine Menschen → | Stühle für große Menschen →
Vorbeugen, ohne bestehende Beschwerden
Dann brauchen Sie keinen Spezialstuhl, sondern einen guten ergonomischen Bürostuhl – und der ist in der Regel deutlich günstiger als eine orthopädische Sonderlösung. Angesichts dessen, wie viele Arbeitsausfälle auf Rückenbeschwerden zurückgehen, ist das die Investition mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung.
Zu den ergonomischen Bürostühlen →
Ihre Einschränkung steht nicht in dieser Liste?
Morbus Bechterew, Skoliose, Zustand nach Wirbelsäulenoperation, Fibromyalgie, Multiple Sklerose, Rheuma – für viele Diagnosen gibt es passende Sitzlösungen, aber selten ein einzelnes Standardmodell. Bei manchen Krankheitsbildern kommen Sonderanfertigungen nach vorgegebenen Maßen in Frage.
Schreiben Sie uns, welche Diagnose vorliegt und was beim Sitzen konkret nicht funktioniert. Wir sagen Ihnen, ob wir eine Lösung haben – und wenn nicht, sagen wir das auch.
Welche Merkmale Orthopäden empfehlen
Orthopädinnen und Orthopäden empfehlen in der Regel keine einzelnen Modelle, sondern Eigenschaften. Weil der Begriff „orthopädischer Bürostuhl“ nicht geschützt ist, lohnt der Blick auf die tatsächlichen Merkmale statt auf das Etikett. Regelmäßig genannt werden drei Dinge:
- Eine Unterstützung der Lendenlordose, die sich in Höhe und Tiefe einstellen lässt. Eine fest eingebaute Wölbung sitzt bei den meisten Menschen an der falschen Stelle.
- Eine Sitzfläche, die Mikrobewegungen zulässt – also nicht blockiert, sobald man sich verlagert.
- Eine Rückenlehne, die dem Oberkörper folgt, statt ihn zu fixieren. Der Stuhl passt sich dem Nutzer an, nicht umgekehrt.
Drei weitere Punkte, die in der Praxis mehr ausmachen als jedes einzelne Ausstattungsmerkmal:
- Die Verstellung muss leicht zu bedienen sein. Was schwer geht, wird nicht benutzt – und ein nicht eingestellter Stuhl ist kein guter Stuhl. Bei eingeschränkter Beweglichkeit oder wenig Handkraft ist das ein hartes Auswahlkriterium.
- Der Stuhl muss zum Tisch passen. Ein Spezialstuhl an einem zu niedrigen oder zu hohen Tisch verlagert das Problem nur. Bei Arthrodesenstühlen mit hoher Sitzposition ist ein höhenverstellbarer Schreibtisch oft der wichtigere Teil der Lösung.
- Die Einstellung muss einmal richtig gemacht werden. Die meisten Stühle in deutschen Büros sind falsch eingestellt. Wie es richtig geht, steht unter Wie sitze ich richtig?; die Mechanik dahinter erklärt Die Technik im Bürostuhl.
Die konkrete Empfehlung trifft immer die behandelnde Praxis – sie kennt den Befund. Wir übersetzen diese Empfehlung in ein Modell, das sie tatsächlich erfüllt.
Wer zahlt einen orthopädischen Bürostuhl?
Eine Frage, die fast immer gestellt wird – und fast immer falsch beantwortet. Deshalb hier klar:
Ein Bürostuhl ist nicht verordnungsfähig wie ein Hilfsmittel auf Rezept. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann ein Attest ausstellen, die Notwendigkeit begründen und bei Sonderanfertigungen Maße vorgeben – daraus entsteht aber kein Anspruch gegen die Krankenkasse. Die gesetzliche Krankenkasse ist für Arbeitsstühle in der Regel nicht zuständig.
Zuständig sind je nach Ihrer beruflichen und versicherungsrechtlichen Situation Rentenversicherung, Berufsgenossenschaft, Agentur für Arbeit, Integrationsamt oder Ihr Arbeitgeber. Und die wichtigste Regel: Der Antrag muss vor dem Kauf gestellt sein. Wer zuerst bestellt, verliert den Anspruch praktisch immer.
Bürostuhl-Zuschuss – wer zahlt in Ihrem Fall? →
Den qualifizierten Kostenvoranschlag, den alle Träger verlangen, erstellen wir Ihnen – mit Begründung der einzelnen Ausstattungsmerkmale im Bezug auf Ihren Befund, nicht nur mit Modell und Preis.
Bei orthopädischen Stühlen: erst sitzen, dann kaufen
Bei einem gewöhnlichen Bürostuhl kann man nach Datenblatt entscheiden. Bei einer bestehenden Einschränkung nicht: Ob eine Sitzhälfte weit genug absenkt, ob eine Aussparung an der richtigen Stelle sitzt, ob die Lordosenstütze Ihre Lendenwirbelsäule trifft – das klärt sich im Sitzen in Minuten und aus der Ferne kaum. Weil sich Empfehlungen nur am konkreten Befund treffen lassen, bieten wir ausgiebiges Probesitzen an: So bilden Sie sich vor dem Kauf ein eigenes Urteil.
In unserem Showroom bei Stuttgart – zwischen Reutlingen und Metzingen – stehen die Modelle nebeneinander. Wir stellen sie auf Ihre Maße ein und prüfen die Tischhöhe gleich mit. Ein Besuch ist nur mit Termin möglich, dafür nehmen wir uns Zeit.
Showroom-Termin buchen → | Showroom bei Stuttgart ansehen
Zu weit entfernt? Fragen Sie uns nach einer Teststellung. Hilfreich für eine erste Einschätzung sind: Körpergröße und Gewicht, die Höhe Ihres Schreibtischs, die Diagnose beziehungsweise was beim Sitzen konkret nicht funktioniert, und ob ein Kostenträger beteiligt ist.
Ihr Ansprechpartner
Fachlicher Ansprechpartner ist Wolfgang Sommer, seit 1988 in der Ergonomieberatung tätig. Gerne beraten wir Sie rund um die Thematik Ergonomie am Arbeitsplatz – am einfachsten über das Kontaktformular oder telefonisch unter 07127 / 95780-55.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem orthopädischen und einem ergonomischen Bürostuhl?
Vorbeugend gemeint bedeuten beide Begriffe dasselbe. Als „orthopädisch“ werden zusätzlich Spezialstühle bezeichnet, die eine bestehende Einschränkung ausgleichen – etwa Arthrodesenstühle bei versteifter Hüfte oder Stühle mit Steißbeinentlastung. Aussagekräftig ist deshalb nicht der Begriff, sondern die Diagnose.
Welche Bürostühle empfehlen Orthopäden?
In der Regel keine einzelnen Modelle, sondern Eigenschaften: eine in Höhe und Tiefe verstellbare Lordosenstütze, eine Sitzfläche, die Mikrobewegungen zulässt, und eine Mechanik, die Haltungswechsel ermöglicht statt den Oberkörper zu fixieren. Die konkrete Empfehlung trifft immer die behandelnde Praxis.
Kann mein Arzt einen orthopädischen Bürostuhl verordnen?
Nicht wie ein Hilfsmittel auf Rezept. Ihr Arzt kann ein Attest ausstellen, die Notwendigkeit begründen und bei Sonderanfertigungen Maße vorgeben. Dieses Attest ist die Grundlage für einen Antrag beim zuständigen Kostenträger – ein Anspruch gegen die Krankenkasse entsteht daraus aber nicht.
Zahlt die Krankenkasse?
Für einen Stuhl am Arbeitsplatz in der Regel nicht. Zuständig sind Rentenversicherung, Berufsgenossenschaft, Agentur für Arbeit oder Integrationsamt.
Was kostet ein orthopädischer Bürostuhl?
Das hängt davon ab, welche Einschränkung ausgeglichen werden muss. Gute ergonomische Stühle beginnen im mittleren dreistelligen Bereich; Spezialkonstruktionen wie Arthrodesenstühle liegen deutlich darüber, weil sie in Kleinserien mit besonderer Mechanik gebaut werden.
Kann ich einen orthopädischen Bürostuhl vorher testen?
Ja – und bei einer bestehenden Diagnose empfehlen wir das ausdrücklich. Im Showroom nach Terminvereinbarung, oder auf Anfrage als Teststellung.
Wann ein Sonderbau nötig wird und wann nicht
Die meisten orthopädischen Anforderungen lassen sich mit einem Serienstuhl und der richtigen Einstellung lösen. Ein Sonderbau wird erst nötig, wenn die Anatomie ausserhalb dessen liegt, was Serienmodelle abdecken, etwa bei einer Beinlängendifferenz von mehreren Zentimetern, bei einer nicht abwinkelbaren Hüfte oder einem versteiften Knie, bei einem Körpergewicht oberhalb von 200 Kilogramm oder bei einer Körpergrösse unter 150 beziehungsweise über 200 Zentimetern.
Was ist ein orthopädischer Bürostuhl?
Der Begriff wird für zwei verschiedene Dinge verwendet. Zum einen für ergonomische Serienstühle mit ausgeprägter Rückenunterstützung, zum anderen für individuell angepasste Sonderbauten bei anatomischen Besonderheiten. Für die meisten Beschwerden reicht ein gut eingestellter Serienstuhl.
Wann ist ein orthopädischer Sonderbau nötig?
Ein Sonderbau wird nötig, wenn die Anatomie ausserhalb des Serienbereichs liegt, etwa bei mehreren Zentimetern Beinlängendifferenz, einem versteiften Knie, einem Körpergewicht über 200 Kilogramm oder einer Körpergrösse unter 150 beziehungsweise über 200 Zentimetern.