Arthrodesenstuehle
Ein Arthrodesenstuhl löst ein sehr konkretes Problem: Sie können ein Bein beim Sitzen nicht abwinkeln – oder dürfen es nicht. Auf einem gewöhnlichen Bürostuhl erzwingt die durchgehende Sitzfläche genau die Beugung, die schmerzt oder nach einer Operation untersagt ist. Man rutscht auf die Sitzkante, verdreht das Becken, kippt zur Seite und belastet damit das, was entlastet werden soll.
Die Antwort darauf ist mechanisch einfach: eine geteilte Sitzfläche. Beide Oberschenkelauflagen lassen sich unabhängig voneinander absenken, sodass ein Bein flacher gelagert werden kann als das andere – ohne dass sich Becken oder Wirbelsäule verdrehen. Weil einseitige Einschränkungen deutlich häufiger sind als beidseitige, ist diese getrennte Verstellung der eigentliche Punkt.
Wann ein Arthrodesenstuhl gebraucht wird
- versteiftes Hüftgelenk (Arthrodese) oder eingeschränkte Beugefähigkeit
- Zustand nach Hüft- oder Knieoperation, solange die Beugung begrenzt ist
- fortgeschrittene Coxarthrose
- Prothese oder chronische Erkrankung an Bein oder Knie
- vorübergehend: eingegipstes Bein oder Bein in einer Schiene
Nicht gebraucht wird er bei Rücken- oder Nackenbeschwerden ohne Beteiligung von Hüfte oder Knie. Dann bringt die geteilte Sitzfläche nichts, und ein ergonomischer Bürostuhl ist die bessere und günstigere Wahl.
Die Sitzhöhe entscheidet, welches Modell passt
Alle drei Stühle haben eine geteilte Sitzfläche. Der Unterschied liegt in der Sitzhöhe – und die hängt an zwei Dingen: Ihrer Körpergröße und daran, wie weit die Hüfte geöffnet werden muss.
- Löffler+ Arthrodesenstuhl – Sitzhöhe 40 bis 49 cm. Der niedrigste der drei. Richtig für kleinere Menschen, für niedrige Tische und wenn die Füße sicher auf dem Boden stehen sollen. Als einziger mit feststellbaren Sitzhälften: Die eingestellte Neigung bleibt, auch wenn Sie aufstehen und sich wieder hinsetzen. Belastbar bis 120 kg, gefertigt in Deutschland, mit IGR-Gütesiegel.
- Score Arthrodesenstuhl 2300 – Sitzhöhe 46 bis 59 cm. Der Standardfall. Passt an Arbeitsflächen von 70 bis 85 cm, also an einen üblichen Schreibtisch, ohne dass Sie am Arbeitsplatz etwas ändern müssen. Wahlweise mit festem oder verstellbarem Sitzwinkel; die verstellbare Variante entlastet zusätzlich den Rücken. Belastbar bis 115 kg.
- Score Arthrodesenstuhl 5000 – Sitzhöhe 53 bis 66 cm. Der höchste. Ein höherer Sitz öffnet den Hüftwinkel stärker – verlangt dafür aber eine höhere Arbeitsfläche, in der Praxis meist einen höhenverstellbaren Tisch. Belastbar bis 120 kg, wahlweise mit Kunstlederbezug.
Als Faustregel: Je stärker die Hüfte versteift ist, desto höher sollte der Sitz sein. Je kleiner Sie sind, desto niedriger. Wo sich das widerspricht, hilft ein höhenverstellbarer Schreibtisch – oder ein Probesitzen, bei dem sich beides gegeneinander abwägen lässt.
Das gestreckte Bein braucht oft eine eigene Auflage
Die geteilte Sitzfläche senkt die Oberschenkelauflage ab, aber sie endet dort, wo der Sitz endet. Muss ein Bein weitgehend gestreckt bleiben oder höher gelagert werden, hängt es dahinter ohne Unterstützung – und sein Gewicht zieht über den Oberschenkel wieder an der Hüfte. Genau die Belastung, die der Stuhl vermeiden soll, kommt so über einen anderen Weg zurück.
Dafür gibt es die Score Beinstütze. Sie ist freistehend und wird nicht am Stuhl montiert – passt also zu jedem dieser drei Modelle und ebenso zu einem gewöhnlichen Bürostuhl. In Höhe und Winkel verstellbar, jederzeit nachrüstbar, und mit 10 bis 30 Werktagen deutlich schneller lieferbar als die Stühle selbst.
Ob Sie sie brauchen, hängt vom Bewegungsumfang ab: Bei leichter Einschränkung genügt oft die Sitzverstellung allein, bei einem versteiften oder eingegipsten Bein praktisch nie.
Kostenübernahme: vor dem Kauf klären
Bei medizinisch begründetem Bedarf kommt häufig ein Kostenträger für einen Teil des Preises in Frage. Zwei Dinge sind dabei entscheidend:
Die Krankenkasse ist meist nicht zuständig. Das GKV-Hilfsmittelverzeichnis schließt Arthrodesenstühle ausdrücklich aus der Leistungspflicht aus, wenn sie zur Ausübung der Berufstätigkeit am Arbeitsplatz erforderlich sind. Zuständig sind stattdessen Rentenversicherung, Berufsgenossenschaft, Agentur für Arbeit oder Integrationsamt – je nach Ihrer beruflichen und versicherungsrechtlichen Situation.
Der Antrag muss vor dem Kauf gestellt sein. Wer den Stuhl vorher bestellt, verliert den Anspruch in der Regel. Nehmen Sie eine benötigte Beinstütze gleich mit in den Antrag auf.
Welcher Träger in Ihrem Fall der richtige ist und welche Unterlagen Sie brauchen, klärt unsere Übersicht: Bürostuhl-Zuschuss – wer zahlt?
Den qualifizierten Kostenvoranschlag, den alle Träger verlangen, erstellen wir Ihnen – mit Begründung der einzelnen Ausstattungsmerkmale im Bezug auf Ihren Befund, nicht nur mit Modell und Preis.
Nur vorübergehend? Dann besser mieten
Ein eingegipstes Bein, die Wochen nach einer Operation, eine begrenzte Nachbehandlung: Dann brauchen Sie den Stuhl für Monate, nicht für Jahre. Wir bieten diese Modelle deshalb auch zur Miete an; für Unternehmen ist zusätzlich Leasing möglich – etwa bei der Wiedereingliederung nach längerer Arbeitsunfähigkeit.
Warum wir zum Probesitzen raten
Bei einem Arthrodesenstuhl entscheidet der Winkel. Wie weit die betroffene Sitzhälfte abgesenkt sein muss, damit Ihre Hüfte tatsächlich entlastet wird, welche Sitzhöhe zu Ihnen und Ihrem Tisch passt und ob Sie eine Beinlagerung brauchen – das lässt sich im Sitzen in wenigen Minuten klären und aus der Ferne kaum. Bei Stühlen dieser Preisklasse mit 20 bis 50 Werktagen Lieferzeit ist das keine Kleinigkeit.
In unserem Showroom bei Stuttgart stehen die Modelle nebeneinander. Wir stellen sie auf Ihre Maße ein, testen mit und ohne Beinstütze und prüfen die passende Tischhöhe gleich mit. Ein Besuch ist nur mit Termin möglich, dafür nehmen wir uns Zeit.
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Zu weit entfernt? Fragen Sie uns nach einer Teststellung, oder schreiben Sie uns über das Kontaktformular. Hilfreich sind dabei: Körpergröße und Gewicht, die Höhe Ihres Schreibtischs, wie weit das Bein gestreckt bleiben muss und ob ein Kostenträger beteiligt ist.
Häufige Fragen
Was ist ein Arthrodesenstuhl?
Ein Bürostuhl mit geteilter Sitzfläche, deren Oberschenkelauflagen sich unabhängig voneinander absenken lassen. Dadurch kann ein Bein flacher gelagert werden, ohne dass sich Becken oder Wirbelsäule verdrehen. Der Name kommt von der Arthrodese, der operativen Versteifung eines Gelenks – gebraucht wird er aber ebenso bei eingeschränkter Beugefähigkeit nach Operationen, bei Coxarthrose oder bei einem eingegipsten Bein.
Welches Modell passt zu mir?
Die Sitzhöhe entscheidet. Der Löffler+ (40–49 cm) für kleinere Menschen und niedrige Tische, der Score 2300 (46–59 cm) für den Standardarbeitsplatz, der Score 5000 (53–66 cm) bei stark eingeschränkter Hüftbeugung und anpassbarer Tischhöhe.
Zahlt die Krankenkasse einen Arthrodesenstuhl?
Für den Arbeitsplatz in der Regel nicht – das GKV-Hilfsmittelverzeichnis schließt das ausdrücklich aus. Zuständig sind Rentenversicherung, Berufsgenossenschaft, Agentur für Arbeit oder Integrationsamt. Eine Ausnahme kann bestehen, wenn Sie den Stuhl auch außerhalb der Arbeit benötigen; das ist ärztlich eng zu begründen.
Brauche ich zusätzlich eine Beinstütze?
Wenn das betroffene Bein weitgehend gestreckt bleiben oder höher gelagert werden muss: ja. Die Sitzverstellung endet an der Sitzkante – dahinter braucht das Bein eine eigene Auflage.
Wie lange dauert die Lieferung?
Alle Modelle werden auftragsbezogen gefertigt, die Lieferzeit liegt bei 20 bis 50 Werktagen. Planen Sie diese Zeit ein, wenn ein Antragsverfahren läuft. Die Beinstütze ist mit 10 bis 30 Werktagen schneller verfügbar.