Steissbeinschmerzen beim sitzen
Steißbeinschmerzen sind der wohl unangenehmste Grund, einen neuen Bürostuhl zu brauchen – weil genau die Tätigkeit weh tut, die den ganzen Arbeitstag ausmacht. Wer betroffen ist, kennt das Muster: Nach zwanzig Minuten wird es unangenehm, man verlagert das Gewicht auf eine Seite, rutscht nach vorn, steht zwischendurch auf. Am Nachmittag sitzt man schief, und abends tut zusätzlich der Rücken weh.
Der medizinische Begriff dafür ist Kokzygodynie – Schmerzen im Bereich des Steißbeins (Os coccygis), oft ausstrahlend ins Kreuzbein. Diese Seite erklärt, warum Sitzen das Problem verschärft, was Sie ohne Neukauf sofort ändern können und wann ein Stuhl mit Sitzaussparung die richtige Antwort ist.
Warum gerade das Sitzen weh tut
Beim aufrechten Sitzen tragen die beiden Sitzbeinhöcker das Gewicht – das Steißbein hat keinen Bodenkontakt. Sobald Sie sich aber zurücklehnen, kippt das Becken nach hinten, und das Steißbein wandert genau auf die Sitzfläche. Dann liegt Druck auf einer Stelle, die dafür nicht gebaut ist.
Deshalb verschlimmert eine bequeme Haltung die Beschwerden häufig mehr als eine aufrechte. Und deshalb greift der naheliegende Reflex – weicher polstern – oft ins Leere: Ein weicheres Polster lässt das Becken tiefer einsinken und kann den Kontakt sogar verstärken.
Häufige Ursachen
- Sturz auf das Gesäß – die klassische Ursache, oft Jahre zurückliegend. Prellung, Verschiebung oder Bruch des Steißbeins.
- Geburt – Belastung des Steißbeins während der Austreibungsphase. Betroffene berichten häufig von Beschwerden, die Wochen bis Monate danach bestehen bleiben.
- Langes, dauerhaftes Sitzen selbst – besonders auf harten Flächen oder in nach hinten gekippter Haltung.
- Fehlstellungen und Blockaden von Steißbein oder Lendenwirbelsäule, häufig zusammen mit Verspannungen im Beckenboden.
- Muskuläre und entzündliche Ursachen im Bereich von Beckenboden und Kreuzbein.
- Ausstrahlende Beschwerden aus der Lendenwirbelsäule – etwa bei einem Bandscheibenvorfall oder einer Lumbalgie. Dann sitzt das Problem nicht im Steißbein, sondern höher.
Der letzte Punkt ist wichtig: Nicht jeder Schmerz im Sitzbereich kommt vom Steißbein. Diese Unterscheidung kann nur eine ärztliche Untersuchung treffen – und sie entscheidet darüber, ob eine Sitzaussparung überhaupt der richtige Weg ist.
Wann Sie zunächst ärztlich abklären lassen sollten
Bevor Sie in einen Stuhl investieren: Lassen Sie die Beschwerden abklären, wenn sie ohne erkennbaren Anlass begonnen haben, wenn sie nachts oder im Liegen auftreten, wenn sie sich fortschreitend verschlimmern oder wenn Gefühlsstörungen, Kraftverlust oder Probleme beim Wasserlassen hinzukommen. In diesen Fällen ist die Diagnose wichtiger als die Sitzgelegenheit.
Was Sie ohne Neukauf sofort ändern können
Bevor wir über Stühle sprechen – diese vier Dinge kosten nichts und wirken bei vielen Betroffenen innerhalb weniger Tage:
- Aufrecht statt zurückgelehnt sitzen. Klingt gegenintuitiv, verlagert das Gewicht aber von hinten auf die Sitzbeinhöcker. Stellen Sie die Rückenlehne steiler und rücken Sie näher an den Tisch.
- Sitzneigung leicht nach vorn. Wenn Ihr Stuhl eine Sitzneigeverstellung hat, kippen Sie die Sitzfläche minimal nach vorn. Das öffnet den Hüftwinkel und richtet das Becken auf.
- Häufiger aufstehen, kürzer sitzen. Alle 20 bis 30 Minuten. Ein höhenverstellbarer Schreibtisch ist bei Steißbeinbeschwerden erfahrungsgemäß fast so wirksam wie der Stuhl selbst, weil er das Sitzen unterbrechbar macht, ohne die Arbeit zu unterbrechen.
- Sitzhöhe prüfen. Zu niedrig eingestellt kippt das Becken nach hinten – genau der Mechanismus, der drückt. Wie es richtig geht, steht unter Wie sitze ich richtig?
Wenn das die Beschwerden auf ein erträgliches Maß bringt, brauchen Sie keinen neuen Stuhl. Wir sagen Ihnen das lieber, als Ihnen einen zu verkaufen.
Sitzkissen: was sie können und wo sie aufhören
Der erste Griff geht meist zum Kissen – Keilkissen mit Aussparung, Ringkissen, Gelauflagen. Für den akuten Zeitraum kann das sinnvoll sein, und es ist der günstigste Versuch. Rechnen Sie aber mit vier Einschränkungen:
- Die Sitzhöhe verändert sich. Ein Kissen hebt Sie um mehrere Zentimeter – damit passt die Relation zu Tisch und Bildschirm nicht mehr, und Sie tauschen ein Problem gegen Nacken- oder Schulterbeschwerden.
- Kissen verrutschen und werden im Tagesverlauf zusammengedrückt. Nach einigen Stunden liegt die Aussparung nicht mehr dort, wo sie liegen sollte.
- Ringkissen können den Druck verlagern statt aufheben, weil das Becken in die Öffnung einsinkt. Ob das im Einzelfall hilft, lässt sich nur durch Ausprobieren klären.
- Die Mechanik des Stuhls bleibt unverändert. Kippt das Becken beim Zurücklehnen weiterhin nach hinten, ist die Ursache nicht beseitigt.
Kurz: Ein Kissen ist eine gute Überbrückung und eine schlechte Dauerlösung für acht Stunden täglich.
Die Lösung im Stuhl: eine Aussparung, keine Polsterung
Der wirksame Ansatz ist nicht mehr Material, sondern weniger Material an der richtigen Stelle. Am hinteren Ende der Sitzfläche – in Richtung Rückenlehne – wird eine Aussparung eingearbeitet. Dort, wo das Steißbein aufkommt, ist dann kein Polster, das gegendrückt.
Zwei Dinge machen diesen Weg dem Kissen überlegen: Die Aussparung ist Teil des Sitzaufbaus, verrutscht also nicht und wird nicht flachgedrückt. Und die Sitzhöhe bleibt normal, sodass die Relation zu Tisch und Bildschirm erhalten bleibt.
Ergänzend wichtig ist eine Mechanik, die Haltungswechsel zulässt. Wer nicht die ganze Zeit in derselben Position sitzt, belastet das Steißbein nicht durchgehend an derselben Stelle – und muss sich nicht zwischen aufrecht und unbequem entscheiden.
Unser Stuhl mit Steißbeinentlastung
Wir führen den LÖFFLER+ mit Steißbeinentlastung, gefertigt in Deutschland. Die Aussparung im hinteren Sitzpolster nimmt Druck aus dem hinteren Sitzbereich – und ist von außen nicht zu sehen, weil der Bezugsstoff flächig darüber gespannt wird. Der Stuhl sieht aus wie ein normaler Bürodrehstuhl. Für viele Betroffene ist genau das ein Argument: Niemand im Büro muss von Ihrer Diagnose wissen.
Weitere Merkmale, die in diesem Zusammenhang zählen:
- 360-Grad-ERGO-TOP-Technologie – die Sitzfläche ist rundum beweglich, entwickelt zusammen mit dem Lehrstuhl für Ergonomie der TU München. Sie erzwingt kleine Haltungswechsel, statt eine Position zu fixieren.
- Synchronmechanik, die Sitz und Rückenlehne in einem sinnvollen Winkel zueinander hält.
- Sitztiefenverstellung – wichtig, damit die Aussparung an der richtigen Stelle unter Ihrem Becken liegt und nicht daneben.
- Rückenlehne achtfach höhenverstellbar.
- Unverklebter, flächig verspannter Sitzbezug für ein besseres Sitzklima – relevant, wenn Sie viele Stunden am Tag sitzen.
- Lieferzeit 5 bis 15 Arbeitstage, je nach Region, frei Haus. Deutlich schneller als die meisten Spezialstühle.
- Die Technik wird vom Institut für Gesundheit und Ergonomie (IGR) uneingeschränkt empfohlen.
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Wenn die Aussparung allein nicht die Antwort ist
Steißbeinbeschwerden treten selten isoliert auf. Je nachdem, was zusätzlich vorliegt, kommen andere Sitzausführungen in Betracht – und die lassen sich bei dieser Baureihe kombinieren:
- Druckempfindliches Sitzen insgesamt, nicht nur am Steißbein: Ein viskoelastischer Sitz aus Memoryschaum verteilt den Druck über die ganze Auflagefläche, statt ihn punktuell stehen zu lassen.
- Sehr lange Sitzzeiten bei empfindlichem Gewebe: Ein Taschenfederkernsitz federt punktelastisch, also an jeder Stelle unabhängig.
- Dauerhaft eingeschränkte Mobilität mit Dekubitusrisiko: Hier gibt es Sitze mit Wabenkissen, die zusätzlich Wärme und Feuchtigkeit ableiten.
- Zusätzliche Veränderung der Brustwirbelsäule (Kyphose): Dafür existieren Rückenlehnen mit Aussparung im Bereich der Wirbelsäule.
Unser Sortiment in diesem Bereich wachst gerade – wenn Sie eine dieser Ausführungen suchen oder mehrere Merkmale kombinieren müssen, fragen Sie uns bitte direkt. Wir klären, was lieferbar ist, bevor Sie etwas bestellen.
Verwandte Sitzprobleme
Falls Ihre Beschwerden doch anders liegen, führen diese Seiten weiter:
- Arthrodesenstühle – wenn ein Bein nicht abgewinkelt werden kann, bei versteifter Hüfte oder nach Hüft- und Knieoperationen.
- Rückenschmerzen beim Sitzen – wenn der Schmerz höher sitzt, in Lende oder Rücken.
- Bandscheibenprävention – wenn die Beschwerden aus der Lendenwirbelsäule ausstrahlen.
- Bürostühle für Schwerlast – wenn hohes Körpergewicht die Druckverteilung mitbestimmt.
- Orthopädischer Bürostuhl – die Übersicht über alle Problemstellungen und passenden Lösungen.
Kostenübernahme: vor dem Kauf klären
Wenn die Beschwerden Ihre Arbeitsfähigkeit betreffen, kommt häufig ein Kostenträger für einen Teil des Preises in Frage. Zwei Punkte sind entscheidend:
Die Krankenkasse ist für Arbeitsstühle in der Regel nicht zuständig. Zuständig sind je nach Situation Rentenversicherung, Berufsgenossenschaft – etwa wenn der Sturz ein Arbeits- oder Wegeunfall war – Agentur für Arbeit, Integrationsamt oder Ihr Arbeitgeber.
Der Antrag muss vor dem Kauf gestellt sein. Wer zuerst bestellt, verliert den Anspruch praktisch immer.
Bürostuhl-Zuschuss – wer zahlt in Ihrem Fall? →
Den qualifizierten Kostenvoranschlag, den alle Träger verlangen, erstellen wir Ihnen – mit Begründung der Ausstattungsmerkmale im Bezug auf Ihren Befund. Für Unternehmen ist zusätzlich die Beschaffung über Leasing oder Miete möglich, etwa bei der Wiedereingliederung nach längerer Arbeitsunfähigkeit.
Probesitzen: hier besonders sinnvoll
Bei Steißbeinbeschwerden entscheiden Zentimeter. Ob die Aussparung an der Stelle liegt, an der es bei Ihnen drückt, hängt von Beckenbreite, Sitztiefe und Sitzhaltung ab – und lässt sich in einem Text nicht beantworten. Im Sitzen merken Sie es innerhalb von Minuten.
In unserem Showroom bei Stuttgart – zwischen Reutlingen und Metzingen – stellen wir den Stuhl auf Ihre Maße ein, prüfen die Sitztiefe und die passende Tischhöhe gleich mit. Ein Besuch ist nur mit Termin möglich, dafür nehmen wir uns Zeit.
Showroom-Termin buchen → | Showroom bei Stuttgart ansehen
Zu weit entfernt? Fragen Sie uns nach einer Teststellung, oder schreiben Sie uns über das Kontaktformular. Hilfreich für eine erste Einschätzung: Körpergröße und Gewicht, seit wann die Beschwerden bestehen, ob eine Diagnose vorliegt, wie lange Sie täglich sitzen und ob ein Kostenträger beteiligt ist.
Häufige Fragen
Was ist Kokzygodynie?
Der medizinische Begriff für Schmerzen im Bereich des Steißbeins. Typisch ist, dass die Beschwerden beim Sitzen auftreten oder sich dort verstärken – besonders in zurückgelehnter Haltung und beim Aufstehen.
Warum tut Sitzen mehr weh als Stehen?
Beim Zurücklehnen kippt das Becken nach hinten, und das Steißbein bekommt Kontakt zur Sitzfläche. Im Stehen liegt dort kein Druck an.
Hilft ein weicheres Sitzpolster?
Meist nicht. Ein weicheres Polster lässt das Becken tiefer einsinken und kann den Kontakt zum Steißbein sogar verstärken. Wirksam ist eine Aussparung an der Stelle, nicht mehr Material.
Was ist besser: Sitzkissen oder Stuhl mit Aussparung?
Für einige Wochen ist ein Kissen die günstigere Überbrückung. Dauerhaft hat der Stuhl drei Vorteile: Die Aussparung verrutscht nicht, wird nicht flachgedrückt, und die Sitzhöhe bleibt normal – ein Kissen hebt Sie mehrere Zentimeter an und stört damit die Relation zu Tisch und Bildschirm.
Ist die Aussparung von außen sichtbar?
Nein. Beim LÖFFLER+ wird der Bezugsstoff flächig darüber gespannt; der Stuhl sieht aus wie ein gewöhnlicher Bürodrehstuhl.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Für einen Stuhl am Arbeitsplatz in der Regel nicht. Zuständig sind Rentenversicherung, Berufsgenossenschaft, Agentur für Arbeit oder Integrationsamt – und der Antrag muss vor dem Kauf gestellt werden.
Wie lange dauern Steißbeinbeschwerden?
Das ist sehr unterschiedlich und ärztlich zu beurteilen. Viele Verläufe bessern sich über Wochen bis Monate, andere bleiben bestehen. Für die Stuhlfrage heißt das: Bei absehbar vorübergehendem Bedarf ist Miete eine Überlegung wert.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder unklaren Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.